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Aus vier mach eins

Rheinpalz, 16.05.2013

Die Ortsteile von Reichenbach-Steegen haben ihre Identität bewahrt

Kerwe wird in Reichenbach-Steegen gleich viermal im Jahr gefeiert: Die Gemeinde entstand aus vier ehemals selbstständigen Dörfern. Das Erbe sorgt, nicht nur was Feste angeht, für Vielfalt. ”Wir haben auch vier Kinderspielplätze. Und mehr als 30 Vereine sorgen für eine aktive Gemeinschaft”, sagt Bürgermeister Dirk Wagner.

Reichenbach-Steegen

Es sind nicht ganz 1.500 Menschen, die in Reichenbach-Steegen leben. Jedem von ihnen gehört, sozusagen, mehr als ein Hektar Land. An den Bächen, die samt den sie überbrückenden Stegen den Ortsteilen Albersbach, Fockenberg-Limbach, Reichenbachsteegen und Reichenbach einst den Namen gaben. In den grünen Wiesen am Hang, auf denen Kühe weiden, oder auch oben auf den Höhen der Tourismusregion ”Nordpfälzer Bergland”. ”Mit 1512 Hektar sind wir die zweitgrößte Gemarkung in der Verbandsgemeinde Weilerbach”, sagt Ortsbürgermeister Dirk Wagner.

Auf der Höhe drehen sich seit 2002 fünf Windräder. Sie bringen Geld in die Kasse, das riesige Feldwegenetz direkt an der Grenze zum Landkreis Kusel jedoch kostet viel. Ebenso die drei Friedhöfe, vier Spielplätze und der kommunale Kindergarten, in dem zehn Erzieherinnen von 7 bis 17 Uhr Kinder ab einem Jahr betreuen. Alles ”sehr wichtige Ausgaben”, sagt Wagner. Am Entschuldungsfonds nimmt der Ort nicht teil, doch ausgeglichen sei der Haushalt nicht, räumt er ein. So packen auch Bürger an, wenn eine Friedhofssanierung oder der Ausbau eines Bürgerhauses ansteht.

Es sei sowieso am besten, wenn Engagement von den Menschen direkt käme und sich kein Bürgermeister mit Projekten rühmen könne, findet Wagner und nennt Beispiele. Den ”Brötchenservice” etwa, eine Nachbarschaftshilfe in Fockenberg-Limbach, die während langer Straßenbauarbeiten aus der Not entstand und immer noch besteht. Oder der Rentnertreff, immer donnerstags im alten Schulhaus, der auf die Initiative eines Chorsängers zurückgeht.

Die Nahversorgung sei ein weniger erfreulicher Punkt, fasst Dirk Wagner erste Ergebnisse der laufenden Dorfmoderation zusammen. Nur eine Handwerksbäckerei arbeitet noch im Ort. Umso wichtiger sei die Lebensqualität durch etwa den Kindergarten und die Grundschule, Freizeitangebote wie Skaterbahn, Radwanderweg, Waldlehrpfad oder Grillhütte sowie durch die Ärzte und Vereine vor Ort.

Der größte dieser Vereine ist der weit über das Reichenbachtal hinaus für Rasen- und Kunstrasenplatz sowie DFB-Mini-Spielfeld bekannte Sportverein. Zusammengerechnet sind es mehr als 30 Vereine von Gospelchor bis Musikverein, Jugendförderverein, Freiwilliger Feuerwehr über Schachclub und Landfrauen, die in den Ortsteilen Angebote machen.

Die vier Ortsteile von Reichenbach-Steegen schlossen sich zwischen 1969 und 1976 zusammen. Ihre alten Ortsnamen leben in der Bevölkerung weiter. ”Wir feiern auch viermal Kerwe”, erzählt Wagner, ”mit vier Straußjugenden.”

Die erste der Kerwen steigt im Juli im ältesten und größten Ortsteil Reichenbach. Vom Reichtum des 945 bereits erwähnten Markt- und Gerichtsstandes zeugen noch heute Hof-anwesen und eine frühgotische Kirche mit mehr als 700 Jahre alten Deckenfresken. Neben solchen alten Dorfkernen prägen Neubauten das Bild. Zwei Neubaugebiete mit jeweils rund 15 Bauplätzen werden zurzeit vermarktet, eines von privat und eines durch einen Investor. Ansprechpartner für Bauwillige ist der Bürgermeister.

Die Serie:Im Pfalz-Plan stellen wir wöchentlich Städte und Gemeinden aus allen Regionen der Pfalz vor.

von Klaudia Gilcher

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